Krankheit aus der Tüte – Katzen wurden kein Trockenfutter kaufen

„Die Katze hat im Gegensatz zum Menschen kein Verlangen nach Abwechslung. Daher kann eine Katze ihr Leben lang ein Alleinfutter dass Mangelerscheinungen auftreten. Unsere Alleinfutter enthalten alle wichtigen Nährstoffe, die eine Katze zum täglichen Leben benötigt“. Diese Antwort gab die Leitung des Kundenservice einer Hunde- und Katzenfutterfirma auf eine Anfrage zu Alleinfutter für Hund und Katze.

Ganz anders sieht die Wirklichkeit aus. Dr. med. vet. Doris Quinten, eine bekannte Tierärztin und Fachbuchautorin, schreibt zu Katzenfutter: „Trockenfutter ist als Hauptnahrung für Katzen grundsätzlich abzulehnen“. Sie erinnert an Mäuse und Vögel als natürliche Nahrung der Katze mit einem Wassergehalt von 70 bis 80 Prozent und an den Feuchtigkeitsgehalt von Trockenfutter von circa 10 Prozent.

Auch wenn Trinkwasser in ausreichender Menge zur Verfügung steht, würden viele Katzen nicht genügend trinken, um den erhöhten Flüssigkeitsbedarf, der durch den Verzehr von Trockenfutter entsteht, zu decken, führt Dr. med. vet. Doris Quinten weiter aus. Die Folge: Stark konzentrierter Urin als inzwischen bekannte Hauptursache für die Entstehung von Harngrieß und Harnsteinen.

Zudem belasten, so Dr. med. vet. D. Quinten, die Konservierungsstoffe den Organismus der Katze. Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und Futtermittelallergien würden zunehmend festgestellt und in Fachkreisen mit industriellem Fertigfutter in Verbindung gebracht.

Auch Dosenfutter lehnt Dr. med. vet. D. Quinten als Dauernahrung ab. Die weiche Beschaffenheit der sterilisierten und denaturierten (unnatürlichen) Nahrung beanspruche die Zähne nicht genügend, die Zahnbeläge würden nicht abgerieben und auf Dauer entsteht der gefürchtete Zahnstein.

Wie kann solche als Alleinfutter bezeichnete Tiernahrung überhaupt in den Handel kommen? Ganz einfach: Weil der Gesetzgeber es erlaubt. Das Bundeslandwirtschaftsministerium führt seit 1995 aus: „Es ist ausschließlich in die Verantwortung des Herstellers gegeben, entsprechend dem Wissen und den Erfordernissen des Marktes geeignete Produkte herzustellen, für die er unter Berücksichtigung der von ihm festgelegten Zweckbestimmung (Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel, vorgesehene Tierart) sowie im Hinblick auf die Richtigkeit oder die Einhaltung über Zusatzstoffe Verantwortung übernimmt“.

Angesichts von über 50 Jahren Forschung und Entwicklung von Futtermitteln und ihre ebenso lange Überwachung durch Behörden kann es mit der angesprochenen Verantwortung der daran Beteiligten nicht weit her sein. Gäbe es sonst „Alleinfuttermittel“, die Katzen schädigen können und mehrfach gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen?

Was nützen hier Empfehlungen des „Deutschen Tierschutzbundes“, Hunde, Katzen und andere Heimtiere nicht ausschließlich mit Alleinfutter zu versorgen, sondern abwechslungsreich zu füttern. Etwa mit Trockenfutter unterschiedlicher Anbieter? Trockenfutter bleibt Trockenfutter! Weiter rät die Tierschutzorganisation, einen Tierarzt zu Rate zu ziehen.

Ob ein Tierarzt wirklich der richtige Ansprechpartner im Bereich Ernährung ist, äarf angesichts seiner Ausbildung ebenso bezweifelt werden, wie bezüglich seiner Weiterbildung, die nicht selten durch die Fertigfutterhersteller erfolgt und wohl eher auf dortigen Prinzipien und Studien beruht. Solche Fakten sind im Internet leicht zu recherchieren oder im „Schwarzbuch Tierfutter“ von Hans-Ulrich Grimm.

Hängt das Ausbleiben einer klaren Antwort vom Tierschutzbund etwa damit zusammen, wie unter www.broeckchengesellschaft.de nachgelesen werden kann, dass dort Alleinfuttermittel als „Start-Sets“ durch Tierheime an künftige Tierhalter ausgehändigt werden – gegen Autospenden durch die Futtermittelindustrie? Im Spiegel 30/2010 werden Alleinfuttermittel in einem zweiseitigen Artikel als „maskierter Müll“ bezeichnet.

Alleinfutter, das keines ist, weil es die Tiere weder artgerecht noch gesund ernährt, muss verboten werden, auch wenn sich das Bundesministerium penetrant auf die Formulierung zurückzieht, die Hauptverantwortung hierfür trögen die Hersteller. Paragraph 17 des aktuellen Lebensmittel- und Futtermittelgesetzes verbietet wie bisher das Futtermittelgesetz, Futtermittel in den Verkehr zu bringen oder zu verfüttern, die geeignet sind, die Gesundheit von Nutz- und Heimtieren zu schädigen. Dafür sind behördliche Kontrollen da, selbst wenn die Futtermittellobby noch so stark ist.

Musste es wirklich so weit kommen, dass Tierhalter inzwischen auf der Internetseite www.broeckchengesellschaft.de zu Selbstanzeigen aufgefordert werden, wenn sie sich schuldig fühlen, ihre Katzen krank gefüttert und gegen gesetzliche Bestimmungen vertoßen zu haben?

Die Geflügel-Börse wird diesen Artikel den Referaten Tierernährung und Tierschutz beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vorlegen und um eine klare Aussage zur „Fütterung von Katzen mit trockenem Alleinfutter“ bitten.

Geflügel-Börse 23/2010                                                                 

                                                                                                                                                          Michael von Lüttwitz